100 Jahre Verkehrsverein - das sind 100 Jahre Zeitgeschichte. Zwei Weltkriege waren zu überstehen.
Ideenreichtum, Bürgerinitiative waren gefragt und dies hat sich bis heute nicht geändert. Das Geld war eigentlich schon immer knapp und dennoch gibt es ihn noch - den Mainzer Verkehrsverein.
Wie fing alles an?
1902
Im Juli 1902 diskutierte die Generalversammlung des Vereins Altstadt über das Thema "Hebung des Fremdenverkehrs", mit dem Ergebnis, daß eine Kommission eingesetzt wurde, die eine Auskunftsstelle für den Fremdenverkehr einrichtete. Formal bestand der Verkehrsverein noch nicht.
1905
wurde er aus dem Verein Altstadt heraus gegründet. Als Gründungsdatum wurde die Bildung der Kommission zur Hebung des Fremdenverkehrs eingesetzt. Der Vereinszweck ist heute immer noch gültig und glücklicherweise vorausschauend sehr weit abgesteckt worden: "Förderung des Verkehrs- und Kulturlebens in Mainz und in dessen Interessengebiet", so der Wortlaut.
Bereits seit 1824 bringen Rheindampfer, 16 Jahre später die Eisenbahn, "Fremde" - heute nennt man sie Gäste - in das Goldene Mainz. Rund um den 1884 erbauten Bahnhof folgten schnell einige Hotels, Gasthöfe gab es bereits reichlich.
1908
gab der Verkehrsverein seinen ersten touristischen Führer heraus.
1913
bewarb man mit der ersten Kongreßzeitschrift den Tagungsmarkt. Man erkannte schnell die Bedeutung des Fremdenverkehrs und vor allem die mit ihm verbundene Wirtschaftskraft.
1927
tauchte die Bestellung eines Geschäftsführers auf. Die Ära Dr. Robert Schmidt begann. Neben zahlreichen Stadtführern, Hotellisten, ist er der Erfinder des Mainzer Weinmarktes.
1932
fand der erste in der Mainzer Stadthalle, die übrigens mehr Kapazität hatte, als die heutige Rheingoldhalle, statt. Dr. Robert Schmidt wurde hochgelobt für seinen Ideenreichtum und für den wirtschaftlichen Erfolg.
1939
kam das schnelle Aus. Der Weinmarkt wurde abgesagt. Die investierten Vorkosten stürzten den Verkehrsverein in das finanzielle Chaos. Die Geschäftsstelle mußte umziehen. Die Stadt rettete den Verein und stellte ein Ladenlokal in der Seilergasse zur Verfügung.
Nach dem Krieg gelang es Jean Baptist Alisky, mit 100.000 Litern Wein, freigegeben von der französischen Militärregierung, den Weinmarkt auferstehen zu lassen, mit dem erzielten Gewinn konnte der Verkehrsverein reanimiert werden.
1949
Alisky hauchte 1949 dem Mainzer Rosenmontagszug wieder Leben ein. Er bildete mit den Fastnachtskorporationen den Großen Mainzer Carnevals Ausschuß. Seit 1950 läuft er wieder, und seitdem auch ununterbrochen: der Mainzer Rosenmontagszug.
1955
Die enge Bindung der Geschäftsführer an die Mainzer Brauchtumspflege bekommt man quasi mit dem Amt übergeben.
Robert Schmidt, seit 1955 wieder Geschäftsführer, gründete die AMS (Arbeitsgemeinschaft Mainzer Straßencarneval) - Geburtsstunde von Jugendmaskenzug und Tanz auf der Lu.
1962
war die 2.000-Jahr-Feier der Stadt Mainz zu organisieren. Der Verein bekam seinen Zuschuß verdoppelt (auf DM 60.000,--). Diese Investition hat sich gelohnt. In den Annalen liest man von vieltausendköpfigem Publikum, das den kulturhistorischen Schiffskorso auf dem Rhein bewundert hat.
1963
macht sich der Verkehrsverein beim Deutschen Weinbaukongreß verdient und organisiert 20.000 Übernachtungen. Dies war auch nach heutigen Maßstäben ein großer Kraftakt.
1965
wird Dr. Robert Schmidt von dem amtierenden Oberbürgermeister Jockel Fuchs in den Ruhestand verabschiedet. Der Vize-Geschäftsführer Hans Baumann leitet von nun an die Geschicke des Vereins. Übrigens auch eine Tradition, die sich bis heute gehalten hat: der Vize wird zum Nachfolger bestellt.
Gleich im ersten Jahr seiner Amtszeit mußte der Weinmarkt wegen des Baus der Rheingoldhalle vom Halleplatz auf das Volkspark-Gelände umziehen. In der Ära Hans Baumann werden etliche Souvenirs kreiert, diverse Kalender kamen auf den Markt. Die Mainzer Bürgerreisen erfreuten zahlreiche Mainzer. Heute werden die Reisen unter dem Motto "Kunst, Kultur und Lebensfreude" durchgeführt.
1968
haben Karl Delorme und Hans Baumann eine neue Idee, den Mainzern und Gästen der Stadt Freude zu schenken. Von Fastnacht bis Ende August muß unbedingt noch einmal gefeiert werden - die Johannisnacht wurde geboren. Im gleichen Jahr wurde Hans Baumann zum Verkehrsdirektor ernannt.
1971
zog der Verkehrsverein an den Bahnhofsplatz 2.
430 qm Bürofläche standen 12 Angestellten und 4 Azubis zur Verfügung. Modernste Technik zog mit ein.
1977
feiert der Verkehrsverein sein 75-jähriges Bestehen. Es werden 25.000 Tulpen gepflanzt, 75 Bäume in der Nackstraße, es gibt eine große Ausstellung im Blütenhaus.
1983
Ein weiterer Meilenstein in der wechselvollen Geschichte des Verkehrsvereins war 1983 der Kauf und Umzug der Geschäftsstelle in das Hotel Pfeil-Continental. Plötzlich waren die Touristiker auch noch Hoteliers.
1984
verändert der Weinmarkt erneut sein Gesicht. Der Stadtpark mit seinem herrlichen Ambiente bildet das neue Refugium für die stillen Zecher. Als zweites Highlight kam der Künstlermarkt hinzu.
Im gleichen Jahr tut sich auch etwas bei den Hoteliers. Sie schlossen sich zur Hotel Werbe Gemeinschaft zusammen, um Synergie-Potentiale für die Mainz-Werbung zu erreichen.
1987
Im Jahr 1987 kauft der Verkehrsverein seine ersten PC's. Seitdem wird jährlich im EDV-Bereich aufgerüstet, um mit dem Stand der Technik Schritt zu halten.
Im Mai des gleichen Jahres löst der Notar Dr. Friedhelm Bauer Hermann Schmidt als 1. Vorsitzenden ab.
1990
Hans Baumann wird in den wohlverdienten Ruhestand entlassen, sein Vize Gerhard Zwick übernimmt das Ruder.
Im gleichen Jahr wird das erste elektronische Reservierungssystem angeschafft.
1995
Synergien schaffen, war die Devise in den 90er Jahren und ist sie eigentlich bis heute. Der damalige Wirtschaftsdezernent Richard Pazke lud alle Touristiker der Stadt ein und empfahl, die Werbemittel der einzelnen Institutionen zu bündeln - die Geburtsstunde von Mainz Marketing. (1995)
Die Gründungsmitglieder sind die Hotel Werbe Gemeinschaft, das Congress Centrum Mainz, das Amt für Öffentlichkeitsarbeit und der Verkehrsverein. Als Finanziers sind bis heute dazu gekommen: die Grundstücksverwaltungs Gesellschaft der Stadt Mainz, MVG, PMG, MAG, sowie die Phönix Halle. Ziel von Mainz Marketing ist es, das Budget auf 500.000,-- € pro Jahr aufzustocken.
1996
Das Jahr hätte beinahe die Chronik des Verkehrsvereins beendet. Im Hotelbereich herrschte ein riesiger Investitionsstau. Das Dach, die Fassade, die Haustechnik waren in marodem Zustand und brachten somit den Verkehrsverein in eine finanzielle Schieflage, die letztlich im Verkauf der Immobilie endete und den achten Umzug für die Belegschaft mit sich brachte.
1997
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge zog man in den Brückenturm. Mittlerweile lachen beide Augen. Die komplette EDV und Telefonanlage wurde vernetzt, jeder Arbeitsplatz neu eingerichtet. Eine wichtige Zäsur, was sich auch in der Außendarstellung dokumentierte.
Der Verkehrsverein vertritt auf vielen internationalen Messen Mainz und brauchte dringend einen international verständlichen Namen. Mainz mußte darin vorkommen, der Begriff Touristik, und der Anspruch, mehr als nur eine Prospektausgabestelle zu sein.
Im Rahmen des neuen Mainz-Layouts bekam der ehrwürdige Verein den Namenszusatz "Touristik Centrale Mainz".
1998
Komplett-Dienstleister zu sein, ist und war der Anspruch. So wurden auch die Geschäftsfelder definiert. Gemeinsam mit dem Congress Centrum organisiert der Verkehrsverein im Jahr 1998 seinen ersten Kongress als "Professional Congress Organizer" (PCO).
2000
In der Vereinschronik kommen wir zum Jahr der Superlative, dem Gutenbergjahr 2000. Das Gutenbergmuseum bekommt einen Anbau, zahlreiche Kongresse rund um das Drucken finden in Mainz statt. Gutenberg wird vom Time Magazin zum "Man of the Millenium" gewählt.
Der Verkehrsverein richtet eine temporäre Dependance am Liebfrauenplatz ein und 20 zusätzliche Gästeführer werden ausgebildet. Bei den Gästeführungen konnte der Geschäftsführer Gerhard Zwick dann auch einen Zuwachs von 63 % vermelden und erstmals überschritt man die magische Grenze von 4.000 Führungen, exakt waren es 4.263.
Auch für die Hotels konnte das beste Ergebnis mit knapp 800.000 Übernachtungen registriert werden. Der Verkehrsverein eröffnet im gleichen Jahr die lang ersehnte Dependance am Hbf.
2001
Im März des Jahres geht Gerhard Zwick in den Ruhestand, Nachfolger wird Jürgen Schmidt.
Im gleichen Jahr wird dem Vorverkauf Leben eingehaucht. Das elektronische Ticketsystem ticket online wird installiert und bereits im ersten Jahr werden über 10.000 Tickets abgesetzt.
Die Touristiker haben sich schon immer in die Stadtentwicklung eingemischt, so ist eine neue Zielgruppe entdeckt - die Wohnmobil-Fahrer. Hier ist eine Anlaufstelle in Planung, um diesen touristischen Aspekt abdecken zu können.
2002
Der Verkehrsverein Mainz feiert sein 100-jähriges Bestehen mit einer Reihe von Jubiläumsveranstaltungen. Neben dem feierlichen Festakt sind die Höhepunkte eine Schiffhart mit Gala-Dinner nach Worms zur Aufführung der „Nibelungen“ unter der Regie von Dieter Wedel und die Aufführung des Theaterstückes „Der fröhliche Weinberg“ im Innenhof des Kurfürstlichen Schlosses.
2004
Die Touristik Centrale Mainz installiert ihr eigenes Hotel-Reservierungssystem, entwickelt von der Firma Info-König.
Mai 2005
Die Stadt Mainz ist Gastgeber des Germany Travel Mart (GTM). Die bedeutendste Veranstaltung für den deutschen touristischen Incomingmarkt findet zum zweiten Mal nach 2000 in der Gutenbergstadt Mainz statt. Mainz Marketing lädt ein zum Partyabend in die neue Rheinufertiefgarage. Ein Konzept, das auch die stärksten Zweifler überzeugt und zu einem unvergesslichen Abend wird.
2005
Das Städteforum Rheinland-Pfalz mit seinen Mitgliedern Speyer, Worms, Trier, Koblenz, Kaiserslautern und Mainz gibt sich einen neuen Marketingnamen. Zukünftig werden sich die Städte international als „Romantic Cities“ vermarkten. Schwerpunkt sind hierbei die über den Flugplatz Frankfurt-Hahn generierten ausländischen Besucher aus Italien, England, Schweden und Irland.
Fastnacht 2006 Zum 150-jährigen Jubiläum der Mainzer Kleppergarde wird der Jugendmaskenzug erstmals seit 1957 wieder von einem Kinderprinzenpaar regiert. Anna-Sophie I. aus dem Hause Pabst und Prinz Oliver I. aus dem Hause Wiesmann führen die Kinder und Jugendlichen im Kampf gegen Mucker und Philister.
2006
Die Firma Info-König entwickelt für die Touristik Centrale Mainz ein online Buchungsportal für Gästeführungen. Aufgrund seines Erfolgs kann dieses System auch an weitere Touristinformationen in Deutschland verkauft werden.
Fastnacht 2007
Die Arbeitsgemeinschaft Mainzer Straßencarneval (AMS) feiert ihren 50. Geburtstag. Eine Ausstellung im Fastnachtsmuseum, organisiert vom AMS-Gründungsmitglied Paul Delnef und dem ersten Mainzer Jugendprinz Alban Schalk, dokumentiert die Entwicklung und Geschichte der AMS.
Aus diesem Anlass steht der Zug unter folgendem Motto:
„Wir feiern, das ist Grund genug,
fünfzig Jahr`Jugendmaskenzug.
Es grüßen, stolz dabei zu sein,
die Narrenkinder aus Mainz am Rhein.
Ja, so ein Tag man nie vergißt -
wenn das kein Grund zum Feiern ist!“
Prinz Dennis I. aus dem Hause Schmidt, der Sohn des aktuellen Geschäftsführers des VV, wird Kinderprinz.
August 2007
Der Mainzer Weinmarkt findet zum 75. Mal im Volks- und Stadtpark statt.
Gleichzeitig ist es auch das letzte Mal, dass diese Veranstaltung in diesem Rahmen gefeiert werden kann. Eine Neuplanung des Volksparks sieht vor, dass der Erholungscharakter des Parks wieder in den Vordergrund gestellt werden soll und er damit als Veranstaltungsfläche nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Somit wird der Weinmarkt ab 2008 nur noch im Stadtpark und Rosengarten stattfinden.
Oktober 2007
Die Stadt Mainz wird in den renommierten nationalen Marketingverbund der „Historic Highlights of Germany“ aufgenommen.
Dies ist ein großer Schritt für die nationale und internationale Wertigkeit der Stadt und ihrer weltweiten Vermarktung.
Januar 2008
Mainz ist Gastgeber für das XV. Europäische Guggemusikfestival und Euro-Carneval in Mainz. Mehr als 1000 Musiker aus 5 Ländern bringen die Stadt zwei Tage zum Beben.
Höhepunkt ist ein Monsterkonzert aller 35 teilnehmenden Gruppen auf dem Gutenbergplatz zu dem 10.000 Menschen in die Stadt strömen.
August 2008
Der Mainzer Weinmarkt findet seit dem Umzug in den Stadt- und Volkspark erstmals ohne Rummel statt. Dadurch präsentiert sich der Weinmarkt erstmalig als klassisches Weinfest.
Ein neues Konzept wird erarbeitet, um die treuen Schausteller, die seit mehreren Jahrzehnten den Weinmarkt beschicken, in den Stadtpark zu integrieren. Das Konzept ist erfolgreich und findet bei den Ausstellern und in der Öffentlichkeit große Zustimmung.